Drachenrose

Weltverbesserer

Beginn

Drachenrose


Manch Gedanke
in der Nacht
hat mich um den Schlaf gebracht.
Kam er in der Tagessonne
schrieb ich ihn auf
mit voller Wonne.




Grundlage aller dieser Zeilen ist ein  dekadent optimistischer Realpessimismus mit permanentem Wirklichkeitsbezug.

Der Tod (11/95)

Henker
Und wenn es heut auch anders ist
als an den and’ren Tagen.
Denk nicht, das Dich der Tod vergißt,
auch Dir geht’s an den Kragen.

Grad deshalb ist es wunderschön,
das einzig nackte Leben.
Warum soll ich denn von hier gehen,
den Abschluss schon anstreben?
Ich frage mich (doch ziemlich selten),
kommt gar nichts hinterher?
Ein Idealist lässt das nicht gelten,
ist Engel sein nicht mehr?

Für mich selbst (ist schon entschieden),
ich eile als Photonenstrahl
nach meinem Tode durch das All
und schau, ob’s andern schlimmer geht.
Das interessiert mich, ihr versteht.
Den Tod, ihn fürcht ich nicht,
das Leben ist gemeiner!
Doch vor dem Dazwischen ist mir bang,
man stirbt heut viel alleiner.

Miro
Selbstbestimmung durch Selbstverbrennung

Sozial 1 und 2 (12/97)

Der Mensch ist ein soziales Wesen,
manchmal aber nicht,
hast ordentlich mal Mist gebaut,
läßt jeder dich im Stich!
Liegst am Boden ganz zerstört
und fängst noch manchen Stoß.
Ein Schluchzen steigt dir aus der Kehle,
im Hals wächst dir ein Kloß.
Nur einer kann dir jetzt noch helfen
und das bist du selbst.
Das dir jetzt keiner auf die Beine hilft,
hilft dir wieder auf die Beine!


2   (12/97)     

Der Mensch ist ein soziales Wesen,
das hilft dir ungemein,
hast ordentlich mal Mist gebaut,
pisst keiner dir ans Bein.
Bevor du fällst, wirst du gehalten,
erhälst Trost und liebe Worte.
Die Tränen werden abgewischt.
Das Lächeln wirkt verstohlen.
Die Hilfe vieler
macht uns stark!

Rezept (12/00)

Sonnenschmerz fühlt mein Herz.
Schlechte Welt nicht gefällt.
Lieg im Schnee, Kopf tut weh.
Seelenpein,
Witt muss rein
und auch die Lakaien.

Fell versengt, Herz gesprengt,
große Not, Vertrauen tot,
Nur genarrt, Liebe starb.
Ganz allein
Seelenpein,
Witt muss rein
und auch die Lakaien.


Ringgefährten (03/02)

Elbenkrieger steht auf Wacht,
schützt das Land gen Mitternacht.
Düster, drohend über ihm
schwebt der Fürst der Nazgül hin.

Himmel ist ganz schwarz verhangen,
dieses Buch nimmt dich gefangen.
Bist nicht mehr in dieser Welt,
wirst zu Frodo, bist ein Held,
fühlst du mit ihm alle Schmerzen,
doch mit Hoffnung groß im Herzen.

Schlacht gewonnen, Freudentränen
rinnen abwärts ohne schämen.
Legst du dieses Buch beseit,
macht sich Hoffnung in dir breit,
dass nun auch auf Obererde
Gutes endlich Sieger werde.

Worte2 (04/02)


Worte
können schmerzen
Worte
können scherzen
Worte
lassen dich erröten
doch Worte
können töten
mit Worten
machst du Politik
um Worte
geht`s im Krieg
für Worte
gibt`s den Sieg
gebrauch sie mit Bedacht
Worte geben Macht

spricht Väterchen zu seinem Sohn,
ein kaltes Grinsen ist sein Lohn.
Eh Alter, du und deine Psalme
bringen mich langsam auf die Palme.
Ins Ohr die Stöpsel,
so wie immer,
verlässt der Sohn
wortlos das Zimmer
und genießt total beknackt
Worte
in Musik verpackt.


mein Schatz (06/13)


Es läuft,
es fließt,
die Feder kratzt
auf schmutzigem Papier.

Der Kopf,
er schüttelt Silben raus,
ein schlimmes Wortgetier.

Die Hand agiert,
der Finger schreibt,
es fügt sich
Satz für Satz.

Zum Schluss
steht dort ein Ungetüm,
trotzdem
mein größter Schatz.

stolz (07/13)


Das Bächlein murmelt leise,
die Bäume raunen weise.
Die Vögel zwitschern ihr Revier,
die Blätter streichelt sanft der Wind.
Im Wald
ist es so schön,
erzählt dir jeder Mensch.

Dein Magen krampft
schon wenn du daran denkst
und doch
stehst du jetzt hier
im Wald.
Dunkle Nacht,
die Vögel schlafen,
nur du
und der dunkle Wald.
Du willst schreien,
du kannst nicht.
Du willst weg laufen,
du kannst nicht.
Dein Atem flach,
dein Puls geht hoch und runter.

Meine Hand ohne Stimme
gibt dir
die Kraft
weiter zu gehen.
Dein erster Schritt
macht dir Mut
und mich
stolz.

Angst (07/13)


Jetzt habt ihr mich umzingelt,
geh weinend in die Knie,
bedecke meine Augen,
schreie wie ein Vieh.

Den Nacken tief gebeugt,
erwarte ich eure Prügel,
passieren tut noch nichts.
Mir wird trotzdem übel.

Blinzle durch die Hände,
Stiefel stehen dort,
bereit mich zu zertreten.
Ich will hier nur fort.

Die Stille macht mir Angst.
Ich will hier nur weg.
Die Stiefel bleiben stehen,
rühr’n sich nicht vom Fleck.

Hab jetzt aufgegeben,
schau euch ins Gesicht
und seh das erste Mal
in euren Augen Licht.

Das mich wärmt und hält,
das mich liebt und schützt
und frage mich allmählich,
wem meine Blindheit nützt.

Wie bin ich jetzt? 07/2015


Schon wieder
zittert meine Feder
krakelig übers Papier.
So wollte
ich es nicht,
husch husch zurück
auf Anfang,
ihr törichten Gedanken.

Doch,
was einmal
los getreten;
das holst du nicht mehr ein!
Und nun
umschwirren
meckernde, lachende,
keckernde, schmachtende Gedanken
meinen Kopf.

Also
geh ich raus
in die Sonne
und lasse sie
verglühen.


Wie war ich mal? 11/2015


Schon wieder
sprühen die Neuronen
neue Reime mir ins Hirn.
So wollte
Ich es nicht,
husch, husch zurück
auf Anfang,
ihr törichten Gedanken.

Doch
was einmal
zirkuliert;
das bremst du nicht mehr aus!
Und nun
fahren
meckernde, heulende,
keckernde, trübselige Gedanken
Panzer in meinem Kopf.

Und draußen
ist nur trüber Nebel!



also doch 11/2015


Erblicke ich dies süße Mädel,
qualmt mir gleich der ganze Schädel.
Auf der Zunge hab ich Schlieren,
kann kein Wort mehr formulieren.

Schaut sie mich noch lächelnd an,
schlägt´s mich ganz in ihren Bann.
Mein Puls rast, dann geht er runter,
schlaf ich oder bin ich munter?

Frag ich meinen Therapeuten,
was hat dies nur zu bedeuten,
grinst er nur und sagt zufrieden,
auch Autisten können lieben!



Therapie 08/2016


Gibst du Wörter mir zum Spielen,
kann ich schon beim Hören fühlen.
Wirfst mir hin die Dämmerstunde,
konter ich mit Lebensrunde.
Blau ist kühl und geil ist prall
und so werfen wir den Ball,
alle Assoziationen,
welche in den Köpfen wohnen.

Mir machts Spaß und du musst deuten,
gehörst ja zu den Therapeuten.
Dieses Spiel läuft über Wochen,
also muss ich darauf pochen,
du sollst mich hier therapieren
und nicht meinen Kopf sezieren!
Hilf mir, mein Problem zu lösen,
sonst kann ich auch ne Stunde dösen!

Deine Augen sehr betroffen,
erklären mir nun ziemlich offen,
sanft gepolstert soll mich betten,
denn ich wär wohl nicht zu retten.
Dieses Köpfchen, noch mit Haaren,
lebt in seinen letzten Jahren.
Oktophren sei mein Verhalten,
das heißt, ich sei aufgespalten.
Doch sie scheinen sich zu kennen,
da sie um die Wette rennen.

Leg rechts den Blauen auf den Tresen,
links greift zu, wie nichts gewesen.
Nick mir zu, ist nicht so wild,
erheb mich … vor dem Spiegelbild.




glücklich pur 01/2017


Das Meer, der Wald voll Worte sind
sie schweben durch die Lüfte
und trittst du dann in Hundekot
kommen dazu noch Düfte.

Der Schnee, der heute hier noch liegt,
ist morgen schon zerflossen.
Später mal im Frühling dann
treiben frische Sprossen.

Ich schau mir auch gern Wolken an,
wie sie sich zart umfließen.
Die Welt ist einfach wunderschön,
ich kann es nur genießen.

Ich komm nach Haus und werd geliebt
von Kindern, Frau und Hund.
Wer dies einmal in echt versiebt,
der wird nie mehr gesund.

Ich steh allein hier unter Bäumen
und genieße die Natur.
Lasse die Gedanken träumen
und bin einfach glücklich pur.



Winter 01/2017

Winterwäldchen

Nun ist sie da, die neue Welt,
er hat es doch vollbracht.
So ruhig, still, entspannend schön,
gestaltet über Nacht.

Bis in späte Mittagsstunden
hat er dafür Zeit gefunden.
Das, was ich seh, das ist perfekt,
alles unter weiß versteckt.

Dies macht mich leise und bedächtig,
ja, er ist schon ziemlich mächtig.
Seine imposanten Horden
kamen diesmal aus dem Norden.

Ich kann nur ein paar Krähen hören,
dies tut mich nicht weiter stören.
Hier im Wald geschah sein Wille,
er herrscht absolute Stille.


Abschiedsdank 01/2017


Was hab ich mit Gevatter Hein gepokert manches Spiel,
auch wenn Gevatter stets verlor, gelacht haben wir sehr viel.
Jetzt hält Hein mich fest im Arm,
fühl mich geborgen, mir ist warm.

Zwar geht’s mir heftig an den Kragen,
doch wollt ich nochmal danke sagen,
allen Menschen die ich gerne kenne.
Erwartet nicht. das ich jetzt flenne.

Es war schön, den Weg mit euch zu gehen,
wie es weiter geht? Ich wird es sehen.
Mein Leben so im Nachhinein
hätt können gar nicht schöner sein.

Ich musste niemals Hunger leiden
und konnte mich stets frei entscheiden.
Ich durfte zwei Mal Leben geben
und musst es niemals jemand nehmen.

Ach wie gern, würd ich jetzt lachen,
und übers Leben Witze machen,
doch die letzten Zeiteinheiten
sollten Demut stark verbreiten.

Sterben manche mit einem Winseln,
verkneif ich mir ein freches Grinsen.


Septemberwolf 09/17


Draußen Sturm und Regen,
drinnen mollig warm,
doch Wolf muss sich bewegen.
Wir starten in den Wald.

Mein Hügel hat nen Gipfel,
auf dem ich gerade steh‘.
Der Herbststurm tobt durch Wipfel,
die lassen’s einfach zu.

Verweil‘ unter der Buchenkron‘,
gleich am Hornissennest.
Sie nimmt mich auf wie einen Sohn,
der Regen trifft mich nicht.

Mein Wölfchen will nur spielen,
die Eiche hat Erbarmen,
armdicker Ast, ohne zu zielen,
landet vor meinen Armen.

Es leuchten seine Lichter,
dies wird seine Beute,
wird das Gehölz auch dichter,
er holt es wieder raus.

Wie ein borelischer Gepard,
der Ast fliegt durch die Lüfte,
stürmt er durch das Dickicht hart
und trägt die Beute heim.



Seufzer 01/2018


Hier ist ein Wäldchen,
dort ein Bach,
neben dem Hügel
geht es herab.

Das ist mein Wald,
das ist mein Bach,
das ist mein Hügel,
geh in mein Tal herab.

Hier will ich lachen,
hier will ich leben,
möchte auch nichts
anderes anstreben.

Es stehen auf dem Hügel
Eichen, Fichten, Buchen.
Warum sollt ich fürs Leben,
was schöneres noch suchen?


Seufzer 01/2018



Gib mir Wasser! Gib mir Brot!
Dies lindert des Körpers Not.

Behandle mich als eignes Wesen,
dies lässt meinen Geist genesen.

Berühr mich nett, lass uns lachen,
dann kannst du Alles mit mir machen.


ein kleiner weißer und ein großer schwarzer Hund im Wald

 

Lebenstraum 07/2018


Sitze nackig auf dem Baum, 
in der Ferne tanzt mein Traum.
Muss jetzt durch die Lüfte gleiten 
meinen Traum zu mir zu leiten.

Seh mein Traum noch viel ferner 
und es wird schon wieder wärmer.
In den dunkelkalten Massen 
kann mein Traum doch nur verblassen.

Will ihn aber mir erhalten, 
also darf er nicht erkalten. 
Tu die Lippen mir befeuchten 
und mein Traum beginnt zu leuchten.

Auch beginnt er jetzt zu schweben, 
unter mir vibriert ein Beben. 
Ohne Schwingen muss marschieren 
oder Reiten auf den Tieren.

Und ich eile, spüre, hetze, 
meinem Traum nach mit Gewetze, 
durch das Leben mit Gerase, 
plötzlich platzt die Seifenblase!

Schaue auf den blassen Schaum, 
denn nichts andres war mein Traum, 
still beginne ich zu wimmern, 
wusste stets in meinem Innern,

auch wenn wir uns für sie zerfetzen, 
sie das Leben nie ersetzen!


frei - lass mich ziehen 12/2018


Wie hindert mich der alte Balg, 
mein Script hier zu erfüllen.
Halt mich nicht fest, lass endlich los, 
lass los und wirf, 
wirf und fang - mein Leben.

Wo füllt mich die ewig Seele 
aus schwarzer dunkler Energie?
Schau sie nicht an, dreh dich weg, 
dreh dich weg und geh, 
geh und stirb - ist mein Leben.

Wann kommt die dunkle Nacht 
der Seele über mich? 
Allein muss ich sein, vor Schmerzen schrei‘n, 
von den Schmerzen mich befrei‘n, 
los lassen und sterben - endlich frei!



Umdenken 01/2019


Als ich die Bäume noch nicht kannte,
entsorgt ich manches Blatt Papier.
Als unser Wald dann niederbrannte,
tränten unsere Augen vier.

Gibt im Sommer keinen Schatten,
auch der Sauerstoff wird fehlen,
große graue Aschematten,
Todesschreie aus Tierkehlen.

Stumm in Asche die Gerippe,
nur mein Wolf hetzt durch den Staub.
Hier zog Bayer nicht die Strippen,
Todesacker ohne Laub.

Eiche, Kiefer, Berberitze
sprießen wieder aus dem Boden,
kühler Atem gegen Hitze,
feucht genug für Gastropoden.

Jetzt da ich die Wälder liebe,
irren wir nicht mehr umher.
Wölfchen füttert seine Triebe,
gute Laune immer her.

Appetit / Völlerei 03/2019


Hatte die Nacht getrunken
und brach den Morgen aus.
Ganz tief im Grau versunken,
starb der Sonne Opfertod.

Teilte mittags unser Brot,
der Tränenfluss versiegte,
schon am Abend war ich tot.
Wie sollt ich’s Leben lieben?

Schützend Hände über mir
konnten nicht bewahren
diese wilde Lebensgier.
Ich kaute leere Erde.

In der Stille stirbt mein Wille,
fühllos in den Dunst getrieben,
ohne Sicht auch meine Brille,
gefühlsblind durch das Leben.

Fein zerstäubte Wassermassen
tosen laut um mich herum,
lassen jede Sicht verblassen,
schalten jede Regung stumm.

Habe nun den Tag gefressen
und kotzte Rache aus.
Altes Leiden nun vergessen,
vergaß mich selbst …

zehrte mich auf.

..
.

Hatte mich schon fast verzehrt,
da fiel’s mir plötzlich ein.
Hatte mich noch nie verehrt,
jetzt fress ich mich, oh nein!

Nahm endlich jetzt das Leiden an
und lernte zu genießen.
Durch Leid ich wieder lieben kann,
es kann mich nicht verdrießen.


Sommeryoga 07/2019


Menschenmassen laut und heftig,
keiner scheint hier sehr bedächtig.
Setz mich in den Sand, den feuchten
und das Meer beginnt zu Leuchten,
konzentrier mich auf die Wellen
und erkenne ihre Quellen.

Es saugt, es lockt,
Worte und Gedanken
steigen nicht
über die Schranken
und mein Geist,
soweit vorhanden,
fühlt sich
von der Welt verstanden.

Porno 08/2019


Ob Doggy, Löffel, Missionar,
eigentlich ist doch allen klar,
geht nicht um Blasen oder Lecken
an den definierten Flecken;
geht nicht um Menge oder Länge
dieses männlichen Gehänge;
nicht um Ärsche oder Titten,
welche im Fickrhythmus wippen.

Es geht um Liebe und Gefühle,
Oxytocin im Körpergewühle.
Rein mechanisch nur gefickt,
uns nicht wirklich lang erquickt.
Stets nur dir alleine machst,
aus dem petit mort erwachst.
Nicht Sex, sondern große Liebe
erfüllt wirklich unsre Triebe.

Spiegle dich im Partner fein,
wirst du nicht alleine sein.
Schwärmen, streicheln, kuscheln,
öffnet starre Muscheln.
Lichter voller Liebe
eröffnen das Geschiebe.
Träumen, öffnen, entrücken,
mit dem Partner stets entzücken.


Fürbitte 08/2019


Ich streif durch meinen Wald allein,
wollt niemand mich begleiten.
Der Wind streift durch die Kronen fein,
er kann auf ihnen reiten.

Dunkel wird es unter Buchen,
Eichen lassen dir das Licht,
solltest du mal Leichen suchen,
unter Eichen sind sie nicht.

Dicht an dicht schießen die Birken,
Kiefern haben es hier schwer,
Ahorne wie Unkraut wirken,
Eschen wachsen hier nicht mehr.

Die Skelette von den Fichten
sind bedrohlich anzusehen.
Wasser fanden sie mitnichten,
starben ab und blieben stehen.

Hier im Boden tobt das Leben,
Insekten, Würmer und Myzel,
muss bei jeden Schritt erbeben,
sind vom Wald die gute Seel.

Höre das Bölken einer Fähe
und das Fiepen einer Ricke.
Die Rotte Schwarzwild in der Nähe
bricht nur kurz durch meine Blicke.

Sehe, wie die Krähen treiben
Milanpärchen weg vom Nest,
Sperber werden zu Zielscheiben,
Krähen feiern Schützenfest.

Lasst sie wachsen, wuchern, moosen,
überbordene Natur,
sollte überall so tosen,
wie in meinem Wald und Flur.


Wiederkehr 09/2019


Ich ließ mich durch das Leben treiben,
wie ein Eichenblatt im Wind.
Manchmal wollt es mich zerreiben,
stückweis war ich selber blind.

War zu allen Andern nett,
half auch immer gern,
schlief auch schön in meinem Bett,
hielt von Streit mich fern.

Oh, wie hab ich es genossen,
alles lief ganz einfach so,
doch dann haben sie geschossen
und ich wurde nicht mehr froh.

Ich bedachte jeden Schritt,
fünf vor, ein seitlich, drei rück,
bekam stets einen Tritt.
So wurde ich verrückt.

Das Leben wurd zum Minenfeld,
ich sprang darauf umher,
nur der bleibt lebend auf der Welt,
der fliegt, doch bitte quer.

Dem steten Sturme trotzend,
wollt ich stehen wie die Eiche,
mit meinem Umfang protzend,
nicht vor euch erweiche.

Doch euer Missgunst Säure
fraß sich in den Boden,
spart euch die Axt, die teure,
fiel um, wie unter Drogen.

Entästen, entrinden, verbrennen,
bloß nichts davon verwerten.
Niemals soll mich jemand kennen.
Eure Handlungen - die verkehrten!

Meine Ideen, meine Keime
sind schon lange unterwegs.
Hier zum Beispiel mal als Reime
gehn euch weiter auf den Keks.



Nebel 11/2019


Ach wie gut, dass ichs nicht sehe,
arg gequält, fiept eine Fähe
aus der trüben Waldessschlucht.

Nebel dämmt das Qualgestöhne,
konzentriert uns auf das Schöne,
sehen und auch hören nichts.

Denn so wollen wir es haben,
uns an Lebensschönheit laben,
blenden alles Schlechte aus.

Medien nebeln unsre Sicht,
so erfahren wir es nicht
oder werden glatt belogen.

So läufts Leben fröhlich weiter,
Nebel deckt den Schicksalseiter
und wir schlafen tief und fein.



Superheld 11/2019


Ich geh, ich lauf
und zieh mein Schwert,
Gegner sich beiseite ducken,
ich mach nichts verkehrt.
Hör schon wieder diese Stimme:
… pa … stich …

Zieh die Edeldame heftig zu mir,
nur zu ihrem Schutz,
warm schmiegt sie sich an mich,
purer Eigennutz.
Hör schon wieder diese Stimme:
… pa … hau …

Dieser Angriff kommt von hinten,
spring neben die Zeit,
Gegner sieht nur große Leere,
bin jederzeit bereit.
Hör schon wieder diese Stimme:
  pa … kill …

Unverletzt an einer Tafel,
schenkt dem Liebchen ein.
Ihr Antlitz wird mein Augentrost,
seh mein Töchterlein.
Hör schon wieder ihre Stimme:

P a p a, i c h   w i l l   K a k a o!



Urteil II 12/2019


Wie viele Leiber du gemetzelt,
wie viel Angst du hast verbreitet,
selbst die Häscher duckten sich,
wurd es Zeit, dass du geknechtet,
hochnotpeinlich angehöret wirst!

Scheinbar liegt Stolz in deinem Blick!?
Alle aufgeführten Taten du gestehst.
Hängen sollst du an dem Strick,
bis du selbst dem Tode nah,
abgenommen du dann wirst.

Nach derlei dreifach Malträtierung
darfst du in der Zelle ruhen.
Ein gnädig Tod sei dir verwehrt,
Todesangst dich stets beherrsche,
so wie deine Opfer auch.

Doch sollst du noch höher leiden,
deinen Schmerz niemals vermeiden,
dort wo keine Wunden sind.
Kannst den Qualen nicht entfliehen,
impfen dir Gewissen ein!



resilent? 01/2020


Ich bin stark,
ich steh im Leben,
ich bin frei,
Panzer geschlossen,
Selbstvernichtung läuft.

Ich bin schwach,
ich steh im Wald,
ich habe Angst,
Wunden öffnen sich,
Selbstheilung läuft.

mea corpus 04/2020


Ich bin mit dir zufrieden,
hast immer gut gedient,
selten gab ich dir Frieden,
hast selten nur gemurrt.
Oh, wie hab ich dich geschunden,
alle Grenzen war’n erreicht,
doch du hast’s gut überwunden,
bin selbst am Wundern noch.

Doch ich muss dich heute loben
du Frucht des Mutterleib’s,
du hieltest mich stets oben,
egal wie du traktiert.

Messer, Nadeln, scharfe Klingen
sind stets gut verheilt
und du kannst sogar schön singen,
trotz des Qualms und Teer.
Stopfte dich mit Zucker, Fett
und du gingst nicht auf.
Strengste Vitamindiät
ließ dich nicht erweichen,
schön auf Kante meist genäht,
bist irgendwie knallhart.

Doch ich muss dich heute loben
du Frucht des Mutterleib’s,
du hieltest mich stets oben,
egal wie du traktiert.

 Selbst das Oberstübchen läuft,
kann sogar noch lachen,
hab‘s oft mit Alkohol ersäuft,
Zwang zum Hirnurlaub.
Nach Verwüstung der Gefühle,
hast du noch funktioniert,
im Kopf nur noch Nacktgewühle,
das schwarze Loch rotiert.

Doch ich muss dich heute loben
du Frucht des Mutterleib’s,
du hieltest mich stets oben,
egal wie du traktiert.

Knochen, Fleisch und die Gelenke
kann ich täglich spüren.
Ich dir kaum Gedanken schenke,
wohin soll’s noch führen?
Filtern, saugen, brennen, drücken
läuft von ganz allein,
gelegentlich tut’s mich entzücken
und so dank ich fein.

Endlich tu ich dich mal loben
du Frucht des Mutterleib’s,
du hieltest mich stets oben,
egal wie du traktiert.


Leben erlaubt 05/2020

Mein Leben lebt mich einfach so,
hatte noch niemals die Kontrolle.
Doch was sollt mich daran stören?
Wir haben uns nicht in der Wolle.

Es läuft, es flutscht, es plätschert so,
mal unten und mal oben.
Grundsätzlich ich gesegnet schein,
bin biophil nicht -phoben.

Unerschüttert Urvertrauen
lässt mein Leben laufen.
Warum soll ich schmieden noch?
Will mein Glück nicht kaufen!

Nehm mein Geschenk vollständig an,
ich schau ihm nicht ins Maul.
Viel länger ich genießen kann,
zum Neiden viel zu faul.

~Du bist auf der Welt, um zufrieden zu leben, nicht um enttäuscht zu sterben~


Spiel im Wald 05/2020

Heute bin ich ohne Farben,
der Tag verläuft sich so,
fang den Anschiss, steck ihn weg,
reißt trotzdem an meinen Narben.

Wölfchen zieht mich in den Wald,
natürlich will sie spielen.
Das machen wir, das brauchen wir,
wir sind noch nicht zu alt.

Wölfchen springt durchs Unterholz,
der Häher kreischt Alarm.
Durch Blätter säuselt leis der Wind.
Der Wald hat seinen Stolz.

Wieder da sind alle Farben.
Wars der Wald, wars das Spiel?
Ich die Farben wieder fühl
und muss nicht mehr darben.


der Schrei 07/20


Die Welt bleibt in den Fugen,
durch die er sich gerad zwängt.
Hört sich zwar komisch an,
er fühlt sich meist beengt.

Wohnt seit Jahren in den Höhlen,
hat sehr dünne Haut.
Leuchtet, wenn es dunkel wird,
vor Menschen es ihm graut.

Schaut auf diese Menschenwelt,
Liebe, Kriege, Neid und Tod,
Abgründe der Menschlichkeit.
Der Mond verfärbt sich rot.

Manchmal fließt ein Bach der Trauer
stöhnend tief ins Tal,
fangen Schwäne an zu singen,
spürst du ihre Qual?

Söldner suchten oft schon dort
mit Waffen, Drohnen, Hunden,
kriegten ihn niemals zu fassen.
Blindtaub sind die Gesunden.

Er tönt hier wie Urgewalt
und wird dort leise stumm.
Schon ewig läuft die Jagd auf ihn,
nichts bringt ihn wirklich um.

Durch uns er niemals ruhen kann,
immer muss er weiter,
Missgunst, Hader, Eifersucht
quält wie gelber Eiter.

Ich wünsch es ihm und träum davon,
komm bald, du schöne Zeit,
dass er mal länger ruhen kann,
der Schrei nach Gerechtigkeit!


ein Lächeln 07/20


Dieser Abend lacht dich aus,
bringt kein Licht mehr in das Haus.
Bist allein unter den Massen,
Erinnerungen verblassen.

Schwere Nacht macht es nicht besser,
schneidet tief mit scharfem Messer.
Kannst nicht mehr auf Fühlung gehen,
denn sie würden s nicht verstehen.

Auch der Tag kann dich nicht heilen, 
tote Leere will verweilen.
Keine Schmerzen und kein Fühlen,
die in deinem Körper wühlen.

Leere Blicke auf das Leben
sind ein ohnmächtiges Schweben.
Suchst am Morgen keinen Sinn,
scheint ein Nichts tief in dir drin.

Alles tröpfelt über Wochen
tiefer in die müden Knochen,
ist schon so was von normal,
ist für dich gar keine Qual.

Ein Lächeln, das von Herzen kommt,
lässt dich sanft erwachen.
Das Leben wieder spüren kannst
und auch wieder lachen.


dein Weg 08/20


Es führt hier ein breiter Pfad,
aufwärts, talwärts, eben,
mit Sonne, Schatten, Dunkelheit,
frohjauchzend durch das Leben.

An den Rändern Karneval
oder schöne Wälder,
dufte Kumpel, nette Mädchen
ziehen durch die Felder.

Der Pfad, er ist hier schmaler,
steinig, matschig, zerklüftet,
doch gut noch zu beschreiten
und immer gut belüftet.

An den Rändern die Fabriken
und viele Maschinen,
dort die alten Kumpel schuften,
müssen Mammon dienen.

Der Pfad, nur noch ein Grat,
zwischen Berg und Kluft,
nur Mühe und viel Qual
in dieser dünnen Luft.

Ränder hier nur noch diffus,
hier ist man nur allein,
wieso warum ist keine Frage,
mehr Pein kann es nicht sein.

Jeder trägt den Pfad in sich
und wählt ihn täglich neu.
Such den richtigen Pfad aus
und bleib dir einfach treu!


Lebensmitte 08/20


Im Norden stand der Atem still,
Polarlicht flackert hell.
Am Nadir war es wieder leicht,
das Herz schlug ziemlich schnell.

Im Osten sich die Haare spreizen,
der Mandelkern vibriert.
Am Zenit fehlt das Gleichgewicht,
Schwindel sich nicht verliert.

Im Süden schmerzt der Magenkrampf,
lässt Mimik gleich erstarren.
Im Westen dröhnt der Schädel schwer,
der Schmerz möchte verharren.

So bleibt nur dieser Mittelpunkt
um glücklich gut zu leben.
Nun schau Dich um und finde ihn,
dies sei Dein erstes Streben!